Mehr Tierschutz in Forschung und Therapien

Mehr Tierschutz in Forschung und Therapien

Beim dritten Vortragsabend der Initiative Zukunft Heimtier in München drehte sich alles um den Tierschutz: Die Referenten plädierten für eine Professionalisierung des Einsatzes von Tieren in tiergestützten Interventionen sowie für die Etablierung tierversuchsfreier Methoden in der Forschung.

Bremen/München, 05. Januar 2014 – Durch den vermehrten Einsatz von Tieren im therapeutischen und pädagogischen Bereich rückt das Wohlbefinden der Tiere zunehmend in den Fokus. Das ist ein Fazit des dritten Vortragsabends zur Mensch-Tier-Forschung, zu dem die Mars-Initiative Zukunft Heimtier an die Medizinische Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München geladen hatte.

„Verschiedene wissenschaftliche Studien belegen die positive Effekte von Tierkontakt auf Menschen, zum Beispiel Entspannung, gute Laune, Konzentration, Motivation“, sagte der Referent Dr. Rainer Wohlfarth, Präsident der europäischen Gesellschaft für tiergestützte Therapie (ESAAT). „Aber nur wenige Studien haben bislang untersucht, welche Auswirkungen tiergestützte Einsätze auf die Vierbeiner haben – das muss mehr werden.“ Sein Appell an Wissenschaftler und Praktiker: „Das Wohlbefinden des Tieres muss sichergestellt werden.“ Neben mehr akademischer Forschung sei deshalb eine Professionalisierung und Zertifizierung der Menschen notwendig, die ihre Berufe tiergestützt ausüben möchten.

„Wir müssen mehr Alternativen zu Tierversuchen entwickeln“

Ebenfalls für mehr Tierschutz plädierte Roman Kolar von der Akademie für Tierschutz, einer Einrichtung des Deutschen Tierschutzbundes: „Wir fordern, Tierversuche durch moderne, tierversuchsfreie Methoden zu ersetzen.“ Viele der heute gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuche stammten aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts und seien nicht nur ein ethisches Problem, sondern auch aus wissenschaftlicher Sicht nicht mehr zeitgemäß.

„Tierversuche sind der falsche Weg, um Verbrauchersicherheit und Umweltverträglichkeit zu gewährleisten: Ihre Ergebnisse sind nur bedingt auf den Menschen oder gar ganze Ökosysteme übertragbar“, sagt Kolar. „Immer wieder werden Chemikalien, Produkte oder Medikamente vom Markt genommen, weil sich im Nachhinein zeigt, dass diese für den Menschen oder die Umwelt schädlich sind – trotz der Versuche, die zuvor zum großen Leid von zahllosen Tieren durchgeführt wurden.“ Der technische Fortschritt eröffne immer neue Möglichkeiten, auf Tierversuche zu verzichten, hierfür müssten aber erheblich mehr Fördermittel bereitgestellt werden als bisher.

Die Initiative Zukunft Heimtier hat die Vortragsreihe an der Ludwig-Maximilians-Universität München ins Leben gerufen, um die wissenschaftliche Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung in der deutschen Hochschullandschaft zu verankern und auf die großen Leistungen von Heimtieren für die Gesellschaft aufmerksam zu machen.